Mittwoch, 8. November 2017

Adel verpflichtet

Jajajaa, jetzt habe ich was schönes angerichtet.
Offenbar bin ich ohne eigenes Wissen in den Kreis der Wolhabenden eingetreten. Ich bin ja nun im Besitz eines Oldtimers. Eines besonderen offenbar, denn es ist ein Mercedes. Ein Mercedes!

Juckt keinen?

Tja, das dachte ich auch.
Mir war/ist es auch total wumpe. Ich kann dem myhstischen Hype über diese Marke so ziemlich garnichts abgewinnen. Nun merke ich aber, daß dies im Allgemeinen wohl völlig anders gesehen wird.
Auf den Buick werde ich immer nach dem Verbrauch oder der Leistung angesprochen, aber der Preis ist eigentlich nie ein Thema.
Beim 170er ist das völlig umgekehrt.
Wegen der Optik kommt man permanent mit Irren in´s Gespräch und bisher hat jeder direkt nach dem Wert gefragt oder gemutmaßt das man ja mörderviel Geld dafür hinlegen muß.
Und das mit einem Unterton, welcher schon sugeriert, das ich ja Geld haben muß.
Finde ich schon ganz schön schräg.
Denn der Wagen hat nicht viel gekostet, er hat mir nur unfassbar viel abverlangt. Irre viel Arbeit, Qual und Nerven sind Bestandteil dieses Prozesses gewesen.
Aber der geneigte Hinz und Kunz sieht nur die Kohle.
Und ganz oft ist das geraunte: "Oh! Ein Mercedes..." zu hören.
Da muß ich mir an den Kopp fassen.
Mercedes ist doch ein stinknormaler Autobauer. Stehen hier in der Straße alleine schon gefühlte 100 rum.


Und jetzt wo ich so eine wunderbare Preziose habe, ist natürlich klar das diese 90% ihres Daseins im klimatisierten Tempel verbringen wird. Und laut diverser Oldigazetten ist natürlich klar das man sich jetzt um die kleinen feinen Wartungsarbeiten kümmern kann, Teile suchen und vom nächsten Sommer mit seinen tollen Treffen und noch tollerereren Oldiausfahrten träumen darf....

Die letzten Tage hatte ich an einem anderen Ort zugebracht und dort gab es aus Mangel an Tätigkeiten halt nur Benzingespräche (geil) und ansonsten Oldtimerzeitungen zu lesen.
Eigentlich auch ok.
Aber leider gab es dort fast nur die KlassikVariante einer landesweiten Massenpostille und einige Opelzeitungen. Dies ist beides ansich schon sehr abstoßend, aber die Soundsoklassik ist davon noch das kleinere Übel.
Diese Postille ist aber dennoch das Grauen.
Die Texte sprießen nur so vor Muff und Buchhalterlangeweile. Jeder tranige Popanz wird zum Kult stilisiert von Schreibern die vermutlich trotz fortgeschrittenem Alter noch im Dachgeschoß im Hause bei Muttern wohnen.
Das war echt kaum auszuhalten.
Aber als ich das gelesen habe, kam mir ein schauerliche Gedanke:
Denken die meißten Oldiebesitzer vielleicht sogar ähnlich wie diese blutleeren Bettnässer?
Hmm, vermutlich nicht. Kenne ja nun auch schon so einige.
Aber vielleicht denken ja Menschen so, welche keinen haben und nur davon träumen? (und es nie wahr machen?)

Jedenfalls hatte ich beim freudlosen durchpflügeln dieser bedruckten Abbilder des Seelenlebens verhärmter Standuhrensammler schon ein leichtes gruseln am Leibe.
Das ist ja schon alles fast zwanghaft:
Man muß jenes, sollte dieses... Wenn dieses Modell, dann nur so und so....Was ist zu tragen, was ist zu sagen? Wertanlage,Wertanlage,Wertanlage, Garagengold, zukünftige Klassiker!Jetzt zuschlagen!(gezeigt wird Ranz aus den frühen 2000ern)...Welche Oldiveranstaltung mit zeitgenössicher Klamottenpflicht (oder was man dafür hält) und Spielchen zu besuchen... Sehen und gesehen werde.... Welches Zubehör für die Rally - oder besser: für das gefakte Picknik im Schloßpark? Natürlich im Allerweltsschinken MB 123.
Weil Oldtimer.
OLDTIMER! Und von Mercedes. MERCEDES, Alter!!! Das ist es!
Alles erreicht.
Fahrifahri am Sonntag und Winkewinke aus dem rollenden Schatzkästchen.

Himmel hilf!

Aber über die drängend Problemchen finden sich in den sage und schreibe 30 + X Heftchen nicht eine Antwort - von der Frage ganz zu schweigen:
Wo bekomme ich denn jetzt geeignete Winterreifen in meiner Größe für meinen 66 Jahre alten Rödelhaufen her?

Aso ja. Stimmt. Oldtimer ist ja nur im Sommer und so...





Die nächste Immobilie

Konnten wir nicht dran vorbei gehen. Ging einfach nicht.

eine XS 650 mit zwei Kisten Teile

ekelhaft im - nahezu - Originaltrim


läüft natürlich nicht - aber der Preis stimmte einfach für ne Standuhr






Dienstag, 7. November 2017

Klick

Im ollen Benz zu fahren ist ja eine feine Sache. Und durch die Alltagsfahrerei habe ich mich naturgemäß auch schnell an ihn und seine Eigenheiten gewöhnt.
Völlig abgewöhnt habe ich mir auch das angurten - sind schließlich keine Gurte verbaut. Das war nur am Anfang komisch und mittlerweile empfinde ich es sogar als sehr komfortabel und auch wirklich praktisch ohne Gurte.
Aber trotzdem möchte ich welche verbauen. Mir geht es dabei ja nicht primär um einen Unfall - der dürfte trotz Gurten in dieser Uraltkonstruktion nicht so glimpflich ausgehen. Hier geht es eher um mögliche kleine Auffahrunfälle oder einfache Vollbremsungen. Sowas endet - vor allem für den Beifahrer - höchstwahrscheinlich mit einer zerhämmerten Visage, oder ähnlichem. Und das nur wegen einer Vollbremsung.
Och nö, das ist jetzt nicht so prall.

Gut, was kann man tun?
Beckengurt bringt herzlich wenig, also sollte schon ein Dreipunktgurt her. Die gibt es für Oldtimer in halbwegs ansprechender Optik noch zuhauf zu erwerben. Aber das sind dann oft Statikgurte. Die sind ziemlich unbequem.
Das wollte ich nicht.
Wenn ich schon Löcher in meine Karre bohre, dann wenigstens für bequeme Gurte - sprich Dreipunkt Automatik.
Sooo, die gibt es aber fast nur in häßlich. Wenn halbwegs farbig und für "Oldtimer" gedacht, dann sind die Verschlüsse doch im modernen schwarzen Plastik gehalten. Und die angbotenen Farben paßten auch ziemlich garnicht zu meiner Innenausstattung
Tja, das geht nicht. Also für mich nicht.

Somit suchte ich eine Weile und wurde auch fündig.
Und wo?
Natürlich im Autoland schlechthin!
Naaain! Neinnein! Nahahain ihr kleinen naiven Purzelchen!
Aufwachen!
Damit ist natürlich nicht Deutschland gemeint.
Dieses traurige Ökonaziland hat mit Autofahren und dem ganzen drumherum nur noch herzlich wenig zu tun.

Ich meine natürlich die USA mit Autoland.

Dort gibt es ein Heer von Firmen die sich mit Freude um noch so jede Kleinigkeit in diesem Bereich kümmern - auch für so spezielle Anliegen wie das meinige.
Dort fand ich tatsächlich Firmen, die hochaktuelle Sicherheitsgurte - ja, natürlich auch Automatik - anfertigen und dies in allen möglichen Farben, Formen, Längen, Schlössern und Gurtpeitschen. Vieles sogar nach Marke und Modell!
Aussuchen, bestellen, geliefert bekommen.
Geil.
 Na, das habe ich dann mal gemacht und mir neue Automatikgurte in passender Farbe mit klassischem Schloß angelacht.

Kürzlich gab es in einer bekannte Oldigazette wieder einen Bericht über den richtigen Einbau von Gurten im Oldi (da hatte ich meine schon) und sie verbauen im alten Gefährt natürlich so einen optischen Gau der auch in jedem aktuellen Twingo zu finden ist.
Hauptsache der Lack glänzt. Weiter reicht die Phantasie nicht.

Und nochmal: Geht garnicht.

Alles da. Komplett mit allem was zum verbauen benötigt wird.




Sehr schön

Jetzt muß ich den Kram natürlich noch verbauen. Mal sehen wann ich das zeitnah hinbekomme.

Dienstag, 31. Oktober 2017

Weggefährte

Vor ein paar Jahren habe ich in einem Anflug von irrationaler Schwäche meinen 64er an meinen Bruder verscherbelt. Der machte damit exakt nix und der Bucklige versauerte die letzten Jahre in einer Tiefgarage vor sich hin.
In dieser Zeit durfte ich mir des öfteren das Genöle meines Bruders über mich ergehen lassen, in welcher er sich darüber beschwerte wie teuer doch die Garage wäre und was den nun mit dem Auto passieren solle - Sprich: ich soll ihn doch gefälligst zurück nehmen weil Miete teuer usw. Verkaufen an Fremde ging aus moralischen Befindlichkeiten nicht.
Soso, nun ja.
Mittlerweile hatte ich dann aber doch genug davon. Und da mein nächster Verwandter nicht aus dem Quark kam, wurde es Zeit das der Wagen zu uns in die Halle kommt und nicht mehr im verkackten Köln in einer Tierfgarage vor sich hindämmert. Ich wollte ihn einfach in der Nähe haben.
Emotionen sind bei sowas einfach ein schlechter Ratgeber, aber ich habe einfach zuviel mit dem Wagen über die Jahre erlebt und ich sehe hinter dem Gammel einfach mehr.

Letztlich gab mein Hallennachbar den Ausschlag mit den Worten: Also ich habe Zeit, wir können den direkt holen.
Gott, eh!
Na gut. Dann soll es halt so sein.

Aber doch lieber am nächsten Tag, da der Wagen bestimmt etwas Zuneigung braucht um wieder zu laufen. Denn aus der Tiefgarage kommt er entweder nur aus eigener Kraft - oder mit sehr viel mehr Aufwand.
Der Morgen des besagten Tages fing schon leicht ätzend an, denn der Radiowecker malträtierte mich zur Begrüßung mit einem unterirdischen Lied der Band PUR - dies hatte leider unfaßbare Nachwirkungen auf den Rest des Tages zur Folge, denn ich hatte somit sofort einen hassenswerten Ohrwurm.
Ich belud den 170er mit Utensilien die ich zum wiederbeleben benötigte: Eine feine Fußluftpumpe, eine altersschwache Batterie (von meinem Bruder), die Schlüssel für Garage und Fahrzeug, etwas Spritschlauch und ein Ersatzkanister mit Brennstoff. Das sollte reichen. Werkzeug jeglicher Coleur schleppe ich im 170er eh mit mir rum.
Also war ich gerüstet.

Auf dem Weg zur Garage übernahm Hartmut Engler gnadenlos die Aufgabe des fehlenden Radios.
Prima, wieso ist mein Auto so leise das mein Gehirn der Meinung ist mich mit sowas zu beschäftigen?
Ein Zwischenhalt an der Tanke zum befüllen des Kanisters gab mir kurzeitig Linderung.

An der Garage angelangt fand ich den Wagen völlig eingestaubt und einsam vor. Zumindestens war also Platz und Ruhe.

Da steht er



Die "Ölmatte" war tatsächlich unnötig. Der Motor war immer noch dicht!
Die erste Amtshandlung bestand darin zu prüfen ob die Bremsen fest waren. Natürlich nicht indem man wie blöde auf dem Pedal rumtrampelt, sondern erstmal den Wagen hin und her schiebt. Und siehe da: Das ging problemlos!
Na sauber, dann ist die erste Hürde doch genommen.
Jetzt muß er nur noch anspringen.
Also erstmal den Innenraum entrümpelt, damit ich die Batterie unter der Sitzbank anbringen kann. Mensch, da sind ja glanzschwarz lackierte Felgen mit neuwertigen Reifen im Auto verstaut. Hatte ich schon vergessen!
So, Stromquell war montiert. Ich ließ den Anlasser auch diverse Umdrehungen orgeln, damit wenigstens ein bissel Öl an den Schmierstellen ist, falls der Motor doch zum laufen kommt.
Also fehlte noch der Rest zum Zündungsvergnügen: Benzin.
Dies war auch schnell vom Kanister in den Tank befördert - und fand auch ziemlich schnell seinen Weg durch den porösen Spritschlauch auf den Garagenboden.
Goddammit!
Dafür hatte ich doch den Spritschlauch mitgebracht! Schön das mir das nach dem befüllen des furztrockenen Tankes einfällt.

Hartmut Engler meldet sich wieder zu Wort.

Der schnellste Weg den Spritverlust einhalt zu gebieten ist den Tank auszubauen.
Ja echt.
Beim Käfer ist das so.
Dies geht allerdings erfreulich schnell von statten und ich übergoß mein als Lampe dienendes Handy auch nur kurz mit Sprit.
Nach vollbrachter Tat setzte ich mich schon leicht verschwitzt hnter das Volant und drehte den Zündschlüssel in freudiger Erwartung Richtung anlassen...und erntete Stille.
???
Wasnnulos?
Ist die Drecksbatterie meines Bruders just verstorben? - Hartmut Engler schiebt sich vom Hintergund wieder ins Bewustsein - oder hängt gar der Anlasser? Hmmm, das könnte sein. Denn das Licht ging problemlos und brach auch nicht zusammen.
Also kroch ich unter unter den Wagen und schob mich durch Ansammlungen von Dreck - welche sich in den letzten Jahren gezielt darunter anhäuften - um mit einem Hammer in der Hand an den Anlasser zu gelangen.PUR begleitete mich hierbei unentwegt mit einer unnatürlich langen Wiederholung ihres Refrains.
Ich schrie zum ersten mal an diesem Tag.
Nach ein paar beherzten Schlägen begab ich mich wieder zum Zündanlasschloß und erntete abermals Stille.
Ein paar mal wiederholte ich dieses erbärmlich Schauspiel. Indes rief mich auch mein Kumpel an und offenbahrte mir das er nun soweit wäre um mitsamt Hänger zu mir kommen könnte.

Das Zeitfenster schloß sich, Schweiß rann mir Gesicht und Rücken herunter und Hartmut Engler ging mir furchtbar auf den Sack.
Scheiße, das kann doch nicht wahr sein. Das ging doch eben noch.  
"Ich liiiiieb dich..."
Gott gib mir Kraft und Ruhe, sonst mache ich mit den 5 Litern Benzin noch was ganz anderes
Es muß die Batterie sein! Ich hastete raus zum 170er und entrieß ihm seine Stromquelle, knallte sie in den Käfer - und das Ergebnis blieb gleich.
OkOkOkOkOkeeeeh.
Das muß einfach etwas banales sein - wie die Lieder von PUR. Ja genau, ein Käfer ist ja auch einfach gestrickt.
Also nochmal ein Stockwerk tiefer. Telefontaschenlampe ins Maul gesteckt und nochmal nachgesehen.
Und siehe da: eine der Steckverbindungen hatte sich beim Anlassmarathon einfach vom Stecker gerüttelt. Steife, alte Kabel.
Aufgeschoben, auf den Fahrersitz geschwungen, Schlüssel gedreht und schnatternd meldet sich der Wolfsburger zum Leben.
Eeeeendlich!

Gelegenheit genutzt und direkt die steile Auffahrt erklommen damit das heute noch was mit dem Abschleppen wird. Gebremst habe ich hierbei aber vorsichtshalber nur mit der Handbremse.

Oben angelangt, schleppte ich den ganzen Kram auch nach draußen






Just rief ich meinen Kumpel an das er doch noch kömmen möge. Das war auf den letzten Drücker. Die Wartezeit überbrückte ich mit verräumen der Teile und aufpumpen der Reifen. Dazwischen schrie ich ab und an den Herrn Engler aus meinen Gedanken raus.
Als ich fertig war, setzte ich mich mit einer Zeitung in den Käfer und überbrückte somit die Wartezeit. Da mir PUR ziemlich auf die Pelle rückte, schaltete ich das Radio ein - und jetzt mal ohne Witz: ratet mal was die gerade spielten!
Der abgedroschene Spruch: mir war nach heulen zumute, traff hier gerade mal so richtig zu.
SCHEISSE MAAAAN! Das gibts doch nicht!!

Zum Glück kam dann endlich mein Kumpel und es konnte losgehen.


Schlimm
Der weg zu Halle dauerte auch noch eine gute Weile, da ich fein im Stau stand. Aber macht ja nix - ich hatte ja super Unterhaltung dank derennamenichhiernichtmehraussprechenwerde.


es ist schön ander für sich arbeiten zu lassen


Bissel abwaschen war auch nötig









So vergeht die Zeit. Nach dem Ösitrip wurde er abgemeldet.

Einen Vergleich der Baujahre konnte ich mir nicht verkneifen






Das Schlimmste war somit getan. Ein bissel verräumen stand noch an und der Wagen fand seinen neuen Platz eben dem anderen Käfer meines Bruders. So kann es gehen.
Die Bremse habe ich aus Blödheit natürlich dann doch noch mal voll benutzt - aber sie ging wiedererwartend dabei nicht fest! Funktionierte sogar richtig gut. So gut das ich noch eine kleine Runde über die Feldwege drehte.

Siewissenschon suchte mich den Rest des Tages noch ein paar mal Heim, hatte aber gegen Abend dann doch noch Erbarmen mit mir.





Montag, 30. Oktober 2017

67er Mustang

Der Mustang-Messi von Nebenan hat wieder zugeschlagen:










Ich kann mir nicht helfen, aber ich finde den geil. Ja, es ist kein Fastback. Das ist leider wahr. Und es ist (schon wieder) ein Mustang.
Ja.
Aber trotzdem ist der irgendwie super. Nahezu unverbastelt(!), mit V8 und Automat. Dazu komplett Sackoriginal.
Die Radkappen runterreißen, die verkackten Weißwandreifen direkt hinterher werfen und den Wagen technisch wieder für den Straßenverkehr herrichten und fertig. Rest so lassen.

Ein wunderbares Alltagsauto gäbe das her.