Mittwoch, 20. September 2017

Gastbeitrag: Reisen mit dem Oldtimer


Wer uns kennt, oder auch nur ab und an auf diesem Blog rumsurft, weiß das wir mit neuen Fahrzeugen herzerfrischend garnix anfangen können und dies auch nicht wollen.
Somit wird halt alles mit dem alten Kram gemacht. Natürlich auch Urlaube.
Und oft genug plädier ich auch hier, das man doch den Arsch hochnehmen sollte und das Alteisen gefälligst der Benutzung zuführen möge.

Ein Freund von uns hat mir einen seiner Berichte zukommen lassen, wo er niederschreibt wie deren Urlaube so aussehen. Wir kennen die beiden schon eine Weile und auch sie fahren nur alte Fortbewegungsmittel.
Gut, die beiden sind in der glücklichen Lage das Arbeitsleben hinter sich gelassen zu haben und somit wahrlich lange Urlaubsfahrten genießen zu können.


Hier deren Bericht von der Urlaubsfahrt 2016.
Viel Spaß beim lesen:




 Reisen mit dem Oldtimer

Die meisten alten Fahrzeuge fristen ein tristes Dasein. In Sammlungen und Museen stehen sie in mehr oder weniger gutem Zustand als, für mich, tote Exponate und werden, wenn überhaupt, mal zu einer kurzen Fahrt hervorgeholt.
Ab und zu tauchen sie auf irgendwelchen Veranstaltungen auf zu denen sie dann meist auf dem Hänger transportiert wurden.
Oft lässt der Zustand der Fahrzeuge auch gar keine andere Nutzung zu, die Restaurationen sind in vielen Fällen aus fehlender Sachkenntnis, bescheidenem Budget oder sogar gewollt, so ausgeführt daß, die Fahrzeuge zwar aus einer gewissen Distanz ganz nett aussehen aber nicht zuverlässig betriebsfähig sind.

Ich selber habe das große Glück gehabt das Hobby „Oldtimer“ zusammen mit meiner Frau frühzeitig zu entdecken und mir, einige Fahrzeuge aus den dreißiger- bis fünfziger Jahren so aufzubauen, das sie 100% zuverlässig und voll betriebsfähig sind.
Als Originalitätsfetischist sind meine Fahrzeuge nahezu vollständig original geblieben, Modifikationen beschränken sich auf z.B. den Einsatz einer modernen Mikrofilterkartusche anstelle des ursprünglichen Spaltfilters für das Motoroel oder H4 Glühlampen anstelle der originalen Bestückung.
Restauriert wurde immer kompromislos nach dem Motto „ganz oder garnicht“ und nichts dem Zufall überlassen.
Nach regelmäßigen, jedesmal längeren, Fahrten nach Abschluß des Wiederaufbauens, waren dann irgendwann auch die nach einer, auch noch so sorgfältigen, Restauration üblichen kleinen Gemeinheiten beseitigt und das jeweilige Fahrzeug nutzbar wie am Tage seiner Erstzulassung.

Bei geeigneter, also artgerechter, Bewegung ist so ein Fahrzeug ein absolut zuverlässiger Gefährte für lange Reisen. Autobahnen oder Schnellstraßen sollte man tunlichst meiden, die Landstraßen abseits der großen Städte und touristischen Zentren sind das Terrain für welches unsere Oldtimer geeignet sind und welches auch der Fahrer genießen kann. Die „Entschleunigung“ gehört einfach dazu.
Das heißt keinesfalls man solle durch die Landschaft schleichen, eine flotte Fahrweise schadet dem alten Auto nicht, aber Dauerfahrten mit Höchstgeschwindigkeit gehören ebensowenig zur „artgerechten“ Bewegung wie Hetzjagten zwischen Vollgas und Vollbremsung auf der Landstraße.



Es gibt sicher für jeden Geschmack eine passende Art mit dem Oldtimer zu reisen. Wir haben für uns entdeckt daß, uns die Kombination altes Auto mit altem, kleinen Wohnwagen besonders zusagt. Viele lange Reisen quer durch Europa, jede zwischen Sechs- und Achttausend Km lang, haben wir mit einem solchen Gespann gemacht und würden keinen dieser Km missen wollen..


Unsere Art zu Reisen


Wir reisen praktisch ohne Planung, die üngefähre Richtung wissen wir und morgens vor dem Start zur Tagesetappe schauen wir auf unsere großformatigen Michelin Straßenkarten und, suchen uns kleine und kleinste Straßen heraus die in etwa in die gewünschte Generalrichtung führen und fahren dann dieser Strecke nach.
Gehalten wird so oft wir Lust und Laune haben und gefahren wird solange uns danach ist. Am frühen Nachmittag halten wir Ausschau nach einem Platz für die Nacht, spätestens gegen 17:00 sind wir dann meist am, sich so von selbst ergebenen, Etappenziel angekommen.
Wir vermeiden grundsätzlich alle touristischen Zentren, größere Städte vor allem touristisch erschlossene Küsten. Größere Campingplätze sind uns ein Greul, vor allem was mehr als 70 bis 80 Plätze hat flüchten wir. Wie weit wir an einem Tag fahren ist sehr unterschiedlich, es gibt Tage mit 350 Km und welche mit 100 Km, je schöner und interessanter die Strecke um so kürzer die Distanz. Da wir uns in Ländern mit großen und reizvollen Gebirgszügen (Frankreich, Spanien, Portugal) bewegen und sich auf unserer Strecke sehr oft Täler, Schluchten und Pässe abwechseln, werden die zurückgelegten Km zur Nebensache, der Weg ist das Ziel.














Wir fahren, wegen der „Schönwetter Garantie“ immer in der Hauptsaison, das heißt zwischen Mitte Juli bis Mitte September, bei unserer Routenwahl ist das kein Nachteil, meist sind wir auf der Straße alleine. Die großen Touristenströme bewegen sich, Gott sei Dank, im Flugzeug oder auf überfüllten Autobahnen und Stränden um sich dort „all inclusive“ full time bespaßen zu lassen. Wir hoffen inbrünstig das es so bleibt und wir die schönen kleinen Straßen und Orte nur mit den Einheimischen und einigen wenigen Individualisten teilen müssen.
Nicht jeden Tag müssen wir weiter, wenn es irgenwo besonders schön ist, bleiben wir nach Lust und Laune auch mal zwei oder gar drei Tage an einem Ort.
Die Freiheit gerade das zu tun, wonach einem gerade ist, ist auch ein Teil des Genusses.


Unsere Strecken


Hier folgt ein Ausschitt der von uns 2016 gefahrenen Strecke, als Beispiel für Diejenigen die es möglicherweise auch einmal versuchen wollen, wir haben einfach mal ein Stückchen mitgeschrieben, von Neufchateau in Frankreich bis nach Pamplona in Spanien, das heißt von also etwa einem Drittel unserer diesjährigen Strecke.

Nr.
Land
Start
Straße
Bemerkung
Ziel
1
F
Neufchateau
D74

Montigny le Roi
2
F
Montigny le Roi
D74
Camping du Chateau - F52140 Montigny le Roi, sehr schön, offen Juli, August u. September
Langres
3
F
Langres
D974

Dijon
4
F
Dijon
N74/D974

Nuits Saint Georges
5
F
Nuits Saint Georges
D974

Beaune
6
F
Beaune
D974
Camping Paquier Fane - F71150 Chagny, 20 Rue Paquier Fane - gut, offen April bis Oktober (einschl.)
Chagny
7
F
Chagny
N6

Chalon sur Saone
8
F
Chalon sur Saone
D906

Tournus
9
F
Tournus
D906

Creches sur Saone
10
F
Creches sur Saone
D906
Camping Municipal - F71680 Creches sur Saone, Route de Port d Arciat - sehr schön an der Saone, offen Juli, August u. September
Macon
11
F
Macon
D906/D306

Anse
12
F
Anse
D30

Lozanne
13
F
Lozanne
D30

Brindas
14
F
Brindas
D30

Mornant
15
F
Mornant
D2/D34

Givors
16
F
Givors
D59

Les Haies
17
F
Les Haies
D59/D28

Condrieu
18
F
Condrieu
N86/D86

Tournon sur Rhone
19
F
Tournon sur Rhone
D86

Le Pouzin
20
F
Le Pouzin
D104

Saint Julien en Saint Alban
21
F
Saint Julien en Saint Alban
D104
Camping "l Albanou" - F07000 Saint Julien en Saint Alban, 280 Chemin de Pampelonne - hervorragend offen Juli, August u. September, Schwimmbad
Privas
22
F
Privas
D104

Aubenas
23
F
Aubenas
D104/D904

Saint Ambroix
24
F
Saint Ambroix
D904

Ales
25
F
Ales
D6110

Ledignan
26
F
Ledignan
D6110/D27

Pourtier
27
F
Pourtier
D27

Quissac
28
F
Quissac
D45

Cremal
29
F
Cremal
D17/D45

Valflaunes
30
F
Valflaunes
D1/D122

Saint Martin de Londres
31
F
Saint Martin de Londres
D32

Aniane
32
F
Aniane
D32

Gignac
33
F
Gignac
D908
Camping du Pont - F34150 Gignac - 730 Boulevard du Moulin - sehr gut, offen Juli, August u. September, Schwimmbad
Saint Andre de Sangonis
34
F
Saint Andre de Sangonis
D609

Clermont L´Herault
35
F
Clermont L´Herault
D908/D15

Roujan
36
F
Roujan
D15

Paouzolles
37
F
Paouzolles
D39/D15

Corneilhan
38
F
Corneilhan
D39

Maraussan
39
F
Maraussan
D39

Maureilhan
40
F
Maureilhan
D39

Capestang
41
F
Capestang
D5/D11

Argeliers
42
F
Argeliers
D1626/D326

Ginestas
43
F
Ginestas
D26

Ventenac en Minervois
44
F
Ventenac en Minervois
D124

Paraza
45
F
Paraza
D124

Roubia
46
F
Roubia
D124

Serame
47
F
Serame
D611

Lezignan Corbieres
48
F
Lezignan Corbieres
D611
Camping "La Pinede" - F11200 Lezignan Corbieres - Rue des Rousillous - gut, offen Juli, August u. September, Schwimbad
Fabrezan
49
F
Fabrezan
D212

Lagrasse
50
F
Lagrasse
D212

Termes
51
F
Termes
D40

Col de Bedos
52
F
Col de Bedos
D613

Mouthoumet
53
F
Mouthoumet
D613

Couiza
54
F
Couiza
D118

Quillan
55
F
Quillan
D117/D118

Axat
56
F
Axat
D118
Camping "Le Moulin de Pont d´ Alies" - F11140 Axat - gut, offen Juli August u. September, Schwimmbad
Gesse
57
F
Gesse
D118

Escouluobre les Bains
58
F
Escouluobre les Bains
D118

Matemale
59
F
Matemale
D118

Mont-Louis
60
F
Mont-Louis
N116

Bourg Madame
70

Bourg Madame


Puigcerda
71
E
Puigcerda
C16/E9

Berga
72
E
Berga
LV4241

Sant Lorenc de Morunys
73
E
Sant Lorenc de Morunys
LV4241/L401
Camping Morunys - E25282 St. Llorenc de Morunys - Ctra. De la Coma Km 1,5 - Einfach aber ok., ganzjährig offen, Schwimmbad
Llinars
74
E
Llinars
L401
Camping Viu - E22387 Viu de Linas - Einfach aber ok., ganzjährig offen
Sort
75
E
Sort
L511/L401

Coll de Nargo
76
E
Coll de Nargo
L511

Isona
77
E
Isona
C1412c/C1412

Tremp
78
E
Tremp
C13

La Pobla de Segur
79
E
La Pobla de Segur
N260/N230

Pont de Suert
80
E
Pont de Suert
N320/N260
Camping Baliera - E22486 Bonansa - Ctra N260 Km 355,5 - Am Fluß, sehr schön, offen Januar bis Oktober, Schwimmbad
Castejon de Sos
81
E
Castejon de Sos
N260

Campo
82
E
Campo
N260

Ainsa
83
E
Ainsa
N260

Broto
84
E
Broto
N260
Camping Gavin - E22639 Gavin - Ctra. N260 Km 503 - Sehr gut, ganzjährig offen, Schwimmbad
Biescas
85
E
Biescas
N260/N330/N330a/N240a

Jaca
86
E
Jaca
N240

Yesa
87
E
Yesa
N2420

Liédena
88
E
Liédena
N2420

Izco
89
E
Izco
N2420

Monreal
90
E
Monreal
N2420
Camping Ezcaba - E31194 Eusa - Ctra. Irun Km 7 - Zweckmäßig, ganzjährig offen, Schwimmbad
Pamplona













Unser Auto


Wie bereits erwähnt, für die diesjährige Reise nutzten wir unser treuestes Altertümchen, ein erstklassig restaurierter Mercedes 170V Cabrio b aus dem Jahre 1939.
Dieses Auto hat uns seit seiner Restauration in 18 Jahren und über 38.000 Km nur Freude bereitet. Dank sorgfältiger Wartung, pfleglicher Behandlung und artgerechte Bewegung, steht dieses Auto noch jetzt genauso da wie vor 18 Jahren nach seinem Wiederaufbau. Ein kleines Kratzerchen hier ein kleiner Steinschlag dort sind Patina und zeugen davon das dieses Fahrzeug „lebt“.











Unser Wohnwagen


Ein Eriba Puck aus dem Jahre 1984, für unsere Zwecke leicht modifiziert. Er erhielt eine eigene 100 Ah Batterie und ein vollautomatisches 8 A Dauerladegerät. Alle elektrischen Verbraucher des Puck sind auf 12V umgestellt. Ein Kühlschrank für 12V und Gasbetrieb wurde eingebaut wie auch eine mit Gas betriebene (Hilfsenergie 12V) Umluftheizung. Ein 65 Ltr. Wassertank mit 12 V Pumpe versorgt die originale Eriba Spüle. Ein kleiner Fernseher, natürlich auch 12 V und ein Radio sind ebenfalls eingebaut.
Haben wir auf unserem Standplatz Netzanschluß – prima, die Batterie versorgt uns und wird vom Ladegerät gleichzeitig aufgeladen. Haben wir keinen Netzanschluß – auch gut, die Batterie bzw. die Gasflasche lässt uns für ca. 1 Woche autark sein.
Ein Sonnensegel, welches in 5 Minuten aufgebaut ist, gibt Schatten und schützt bei Regen, zwei bequeme Faltsessel und der originale Puck Tisch, runden unsere Ausrüstung ab.





Im Vorratsschrank gibt es Weißwein, Rotwein, Brot, Konserven, Gebäck, Zwiebeln, Knoblauch, Brandy, Oel, Essig und alles was man so braucht. Im Kühlschrank der kalte Weißwein, Bier, Saft, Wasser sowie Wurst, Käse, Butter und alles was kalt bleiben muß.


Da die eingelagerten Mengen in dem kleinen Puck natürlich begrenzt sind, kaufen wir täglich unterwegs wo es gerade passt, das was fehlt, nach.




Quintessenz


0b mit dem Wohnwagen oder von Hotel zu Hotel, jeder muß es nach seinem Geschmack machen, aber ein schöneres Erlebniß als mit dem Oldtimer geruhsam zu reisen, gibt es kaum und es schenkt dem Fahrzeug ein zweites Leben.
Tote Exponate, welche in Museen Sammlungen und hinter verschlossenen Garagentoren dahinsiechen, gibt es in Mengen, nur ganz wenige Fahrzeuge haben das Glück, lebendiger Zeuge der Technikgeschichte sein zu dürfen.


Nahezu immer und überall begegneten uns die Menschen auf unseren Reisen mit Freundlichkeit, oft sogar mit Begeisterung und wir haben jeden Augenblick genossen.


Noch schöner wäre es, wenn uns auf der nächsten Reise der eine oder andere Oldtimer auf großer Fahrt entgegekäme, dann hätte dieser kleine Bericht seinen Zweck erfüllt.


Neuwagen

So, einmal rum.



Verdammt, bin in einem Jahr mal eben rund 15.000 km gefahren. Muß mal gucken was ich da als max. Kilometer im Versicherungsbogen ausgefüllt habe....

Dienstag, 12. September 2017

Differential

Hier mal eine anschauliche Erklärung wie das so funktioniert.
Ab Minute 3:25 wird es auch gaaaanz langsam und für jeden verständlich rübergebracht - sofern man Englisch versteht.